Was meint Ihr: Ist die Modebranche fair?

Am 15.09. wurde in der ARD-Talkshow „hart aber fair“ das Thema „Der Kick der kleinen Preise – wie billig darf Kleidung sein?“ (der Link zum Video ist leider mittlerweile nicht mehr verfügbar) diskutiert. Wie in solchen Diskussionen üblich, wurde der schwarze Peter von der Politik zum Handel und den Verbrauchern und wieder zurück geschoben, ohne einen wirklichen Lösungsansatz zu suchen. Häufig hieß es, dass man an den Produktionsbedingungen nichts ändern könne, auch wenn man diese natürlich gerne ändern würde.

Dabei gibt es doch Firmen, die Kleidung schon längst verantwortungsvoll und nachhaltig produzieren. Diese Kleidung trägt dann z. B. das Label „Fair Trade“, „Organic Cotton“, „GOTS“ oder „IVN Best“.

Fair produzierte Kleidung ist natürlich teurer als Billig-Ware, aber willst Du wirklich giftige Billig-Kleidung tragen?

Die giftigen Dünge-, Pflanzenschutz- und Entlaubungsmittel, die bei der Herstellung von konventionellen Baumwollstoffen eingesetzt werden, bleiben als Rückstände in der Kleidung und sind nicht ungefährlich. Und die Belastung der Baumwolle geht in den nachfolgenden Bearbeitungsschritten weiter, schließlich wird die Baumwolle für den Transport in die Spinnerei chemisch behandelt, um sie vor Schimmel, Stockflecken und Schädlingen zu schützen. Danach wird sie chemisch gebleicht, gefärbt (oft mit hochgiftigen Farbstoffen, die bei uns verboten sind) und nachbehandelt, damit sie möglichst pflegeleicht oder weich ist. Das geht zwar alles auch ohne gefährliche Chemikalien, wäre aber erheblich teurer.

Übrigens werden die giftigen Chemikalien vor einem Export nach Europa sehr oft mit extrem viel Wasser – das in diesen Ländern knapp ist – so lange ausgewaschen, bis wenigstens der Oeko-Tex® Standard 100 erreicht ist. Das ist für die Umwelt im Herstellungsland eine Katastrophe, denn dort gibt es meist keine Kläranlagen. Die giftigen Stoffe gehen also direkt in den Boden und Gewässer und machen diese unbrauchbar.

Die giftigen – und oft sogar krebserregenden – Chemikalien belasten nicht nur die Verbraucher, die diese Kleidung kaufen, sondern vor allem die Menschen, die in Fernost an deren Herstellung beteiligt sind. Angefangen beim Baumwoll-Bauern und seiner Familie, über die Arbeiter bei den ca. 140 Verarbeitungsschritten, bis hin zur Näherin und der Person, die die Kleidung im Container besprüht, damit diese den Transport übersteht und nicht unterwegs von Motten oder sonstigen Schädlingen angefressen wird. Diese Menschen werden oft sehr schwer krank oder sterben sogar, aber sie haben keine alternative Einnahmequelle.

Bio-Baumwolle/kbA wird für die Baumwoll-Bauern unbedenklich angebaut, kann aber in den weiteren Verarbeitungsschritten ebenfalls mit gesundheitsgefährdenden oder umweltbelastenden Chemikalien behandelt werden, ohne den „Bio-Status“ zu verlieren.

Wer sicher sein will, dass auch bei der Verarbeitung keine chemischen Hilfsmittel eingesetzt werden, sollte sich für Organic Cotton/kbA oder Baumwolle mit GOTS- oder IVN-Siegel entscheiden.
allnatura verkauft zwar keine Kleidung, aber unsere Bettwäsche ist aus Organic Cotton/kbA und unsere Hängematten aus GOTS-zertifizierter Baumwolle.

Dies alles gilt natürlich nicht nur für Baumwollstoffe, bei allen herkömmlichen Stoffen wird in jeder Verarbeitungsstufe in der Regel mit umwelt- und gesundheitsschädlichen Giften gearbeitet.

Wir empfehlen die kritische Prüfung aller Angaben zu Textilien – auch aus Bio-Baumwolle/kbA. Vertraue nicht blind jeder Werbeaussage und jedem Gütesiegel, denn nicht jedes Siegel entspricht Deinen Anforderungen an eine unbedenkliche Textilie. Nur so bekommst Du qualitativ hochwertige Baumwoll-Produkte, an denen Du lange Freude haben kannst.

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